Wohlstandsvernichtung durch EZB-Zinspolitik?

Presse

Dr. Dieter Winkelmann mit OV-Vorsitzenden Hans Wagner und den Marktgemeinderäten Hans Seidl und Christine Kollmeier

Dr. Dieter Winkelmann skizzierte Auswirkungen anhaltend niedriger Zinssätze

„Niedrigzins, Null-Zins oder sogar Negativ-Zins“. Mit diesen Schlagworten stimmte Dr. Dieter Winkelmann die Zuhörer bei der vom SPD-Ortsverein anberaumten Info-Veranstaltung auf das Thema „Wohlstandsverlust durch die EZB-Zinspolitik?“ ein. Zuvor hatte Hans Wagner, selbst ein erfahrener Banker, die Veranstaltung mit dem Hinweis eröffnet, dass augenblicklich die „Wetten der Markteilnehmer“ von keiner Veränderung der jetzigen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgehen. Deshalb warnte der SPD-Ortsvorsitzende eindringlich vor hohen Zinsversprechungen, weil diese fast immer ein enormes Risiko in sich bergen.

Bei dieser öffentlichen Veranstaltung beim „Frauenbauer“ erläuterte Dr. Dieter Winkelmann, früher Leiter der Sparkassenakademie Bayern und exzellenter Kenner der Finanzpolitik, die seit 1998 bestehende Europäische Zentralbank und ihre geldpolitischen Instrumente. „Die Aufregung über deren Entscheid-ungen ist gerade in Deutschland groß“, erinnerte der Referent an geführte Diskussionen. Worte wie „Was macht hier dieser Herr Draghi in der EZB?  Müssen wir für unser Erspartes künftig vielleicht noch bezahlen statt Zinsen zu bekommen?“ kennzeichnen die Verunsicherung vieler Mibürger. Solche Sorgen beantwortete Dr. Winkelmann mit dem Satz: „ Leider kann ich Sie hier nicht beruhigen“. Die EZB hat ihren Leitzins auf null Prozent gestellt und pumpt dazu noch viel Geld in die Finanzmärkte, obwohl jetzt schon die Banken und Sparkassen „im Geld schwimmen“. Das birgt natürlich große Gefahren für die Sparer.

Die Ziele der EZB sind offiziell die Verhinderung von Deflation und eine Ankurbelung der Wirtschaft. Und dabei wird eine Inflationsrate bis zu zwei Prozent angestrebt, weil dann die Konsumenten dazu angehalten werden, ihr Geld eher auszugeben. Die Kehrseiten dieser Geldpolitk sind extrem niedrige Anlagezinsen und eine stark gefährdete Altersvorsorge. Aber auch bereits stark steigende Immobilienpreise sind erkennbar.  Die derzeit niedrige Inflationsrate um die null Prozent hängt, so Dr. Dieter Winkelmann, insbesondere mit den  niedrigen Energiepreisen zusammen, während die übrigen Preise für die Lebenshaltung durchaus steigen. Die von der EZB beschworene Gefahr einer Deflation sei daher nicht in Sicht. Weiter vertrat er auch die Auffassung, dass man nicht zu sehr auf die offiziellen Teuerungsraten schauen sollte, sondern mehr auf die Preise, die sich im „jeweils eigenen Gelbeutel auswirken“.

Auch europaweite Konjunkturprobleme seien nicht erkennbar. Mit Ausnahme von Griechenland verzeichnen fast alle Euro-Staaten auch in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum. Die Nullzinspolitik der EZB sei also unangebracht. „Und dass das Geschäft mit China derzeit schlechter als erwartet läuft, das lässt sich durch die EZB wahrlich nicht aufheben“, kritisierte der Redner. Dabei betonte er, dass Investitionen nicht primär von den Kreditzinsen, sondern mehr von den Absatz- und Gewinnerwartungen abhängen.

Draghis Zinspolitik wird, wie Dr. Dieter Winkelmann unterstellt, zeitlich noch lange anhalten. Deshalb sei mit einem Wohlstandsverlust vor allem bei denen zu rechnen, die nicht in Aktien oder Immobilien investieren (können). Das hat zur Folge, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter öffnen wird. Auch die Banken und Sparkassen stöhnen unter der Last der Niedrigzinspolitik. Ein Teil der angekündigten Filial-schließungen sei, so der Referent, dieser Geldpolitik geschuldet. Weiter versuchen die Kreditinstitute, ihre Kosten vermehrt über höhere Gebühren abzudecken, weil über die Zinsmarge eine Kostendeckung nicht mehr erreichbar ist.

Neben den offiziellen Erklärungen der EZB hilft deren Geldpolitik den hochverschuldeten Staaten, meinte Dr. Dieter Winkelmann. Auch Deutschland profitiert von dieser Niedrigzins-Politik. Deshalb ist auch wenig von der Bundesregierung zu hören. Die einst von Finanzminister Theo Waigel versprochene Maastrichter Vertragsregelung, kein Land der Währungsunion haftet für die Schulden anderer Staaten, hat sich bedauerlicherweise als Makulatur erwiesen, prangerte der Referent an. Insgesamt sieht er deshalb auch in Zukunft enorme Probleme auf die deutschen Sparer zukommen, folgerte Dr. Dieter Winkelmann, der auch viele Fragen beantwortete.

 
 

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