„Und dann mussten Sozialdemokraten helfen“

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SPD-Ortsverein feiert Hundertjähriges und blickt auf bewegte Vergangenheit

Hundert Jahre SPD Altdorf. Deshalb haben sich einige Vereins-Engagierte auf Spurensuche begeben. Rechtzeitig zur Jubiläumsfeier, die am 11.Januar im Bürgersaal veranstaltet wird, hat der Ortsverein eine Chronik zusammengestellt. Hierbei standen  Unterlagen des Bayerischen Staatsarchivs und des Landshuter Stadtarchivs sowie Aufzeichnungen und Aussagen des Hobby-Archivars Hans Seidl, des Heimatbuch-Autors Ernst Gruß und des Altbürgermeisters Josef Sehofer zur Verfügung.

Im politischen Alltag hat der SPD-Ortsverein alle Höhen und Tiefen Deutschlands erlebt, wie der aktuellen Chronik zu entnehmen ist. Demnach reichen die Anfänge des örtlichen Vereins bis 1919 zurück. In diesem Jahr erzielte die SPD bei der Reichstagswahl in Altdorf 42 Prozent und war damit vor Ort die Wahlsiegerin. Ursächlich für das gute Ergebnis war hier der hohe Anteil an Eisenbahnern und Ziegelei-Arbeitern an der Wohnbevölkerung, die damals traditionell die Sozialdemokraten wählten.

Durch die 1919 in der Nationalversammlung erfolgte Wahl des Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten sahen sich in Altdorf auch Anhänger dieser Partei ermutigt, hier eine aktive Ortsgruppe entstehen zu lassen. „Dazu haben wir schon vor Jahrzehnten noch Zeitzeugen zum damaligen Geschehen befragen und deren Schilderungen aufzeichnen können“, erinnert sich Altbürgermeister Josef Sehofer. Dabei war Johann Altmann ab 1925 der namhafteste Sozialdemokrat im Altdorfer Gemeinderat. Das älteste noch vorhandene Parteibuch stammt aus dem Jahre 1928 und ist auf Karl Wackerbauer ausgestellt.

Altmann nur „Mitläufer“

Die einschneidendste Zäsur ergab sich 1933 nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler. Der SPD-Ortsverein wurde, so wie in ganz Deutschland, verboten und damit aufgelöst. Leider wechselte Johann Altmann sofort zu den Nationalsozialisten, wodurch er als Bürgermeister ernannt worden ist. Dieses Amt übte er, bis zu seiner Absetzung durch die Amerikaner, dann ununterbrochen bis in das Jahr 1945 aus.

Später – bei der Entnazifizierung 1947/48 – brauchte Johann Altmann damals die örtlichen SPD-Vorstände Sebastian Schleiß, Josef Bickleder und Sebastian Stix, die ihm – den einstigen NS-Bürgermeister – ein für die damalige Zeit von 1933 bis 1945 ein „hohes menschliches Verhalten“ bescheinigten. Selbst zum Arbeitseinsatz in Altdorf herangezogene Kriegsgefangene, die Johann Altmann nach dem Zusammenbruch des „Dritten Reichs“ sogar in Schutz nahmen, hatte er zuvor human behandelt (Eidesstattliche Erklärung vom 15.01.1948 gegenüber der Spruchkammer Landshut, aufbewahrt im Staatsarchiv). Damit wurde er nur als „Mitläufer“ eingestuft.

Auch der Heimatbuch-Autor Ernst Gruß erinnert sich, dass der Altdorfer Bürgermeister Johann Altmann den im März 1945 hier ankommenden Flüchtlings-Tross aus Schlesien fürsorglich empfangen und sofort für eine menschenwürdige Unterbringung im Gemeindegebiet gesorgt hat. Angesichts seiner Bekanntheit wurde Johann Altmann bereits 1949 – nun parteilos - wieder als Bürgermeister gewählt. Dieses Amt übte er bis Ende 1963 aus.

Tatkräftiger SPD-Bürgermeister

Bereits 1946 trat die SPD bei der Kommunalwahl an. Noch heute bekannte „Urgesteine“ der örtlichen Sozialdemokraten im Gemeinderat waren Franz Leneis (1960 bis 1996), Martin Lackermeier (1960 bis 1978) und der langjährige Ortsvorsitzende Walter Vogel. Mit Hans Brandstetter wurde 1964 sogar ein Sozialdemokrat als Bürgermeister gewählt, der bis Mitte 1972 amtierte, aber Ende 1970 aus privaten Gründen die Partei verlassen hat. In dessen Amtszeit hat Altdorf eine rasante Aufwärtsentwicklung erlebt.

Die 1971 in Altdorf zeitlich vorgezogene Gemeindegebietsreform, bei der ein Zusammenschluss mit den damals selbständigen Gemeinden Eugenbach und Pfettrach erfolgte, brachte der örtlichen SPD in der neuen Großgemeinde einen herben Rückschlag. Bei der Gemeinderatswahl 1971 erzielte die SPD ihr bisher schlechtestes Ergebnis. Durch den engagierten Einsatz von Altbürgermeister Josef Sehofer konnte schon im darauffolgenden Jahr 1972 das Wahlergebnis deutlich verbessert werden.

Mit rund 62 Prozent wurde Josef Sehofer 1996 zum Bürgermeister gewählt und 2002 mit rund 70 Prozent in diesem Amt bestätigt. Auch Christel Engelhard, die 1996 erstmals bei der Kommunalwahl antrat, wurde sofort 2.Bürgermeisterin und ist heute stellvertretende Landrätin. Georg Wild, seit 1996 Gemeinderat, ist heute 2.Bürgermeister. Die von Michael Kapfhammer, Georg Wild und Alexander Tratzky zusammengestellte und dem SPD-Ortsvorsitzenden Hans Wagner übergebene Chronik ist, so der Hobby-Archivar Hans Seidl, ein wertvolles Dokument über die hundertjährige Parteigeschichte vor Ort.

 
 

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