Gemeinsam heimische Bienen und Insekten sichern

Presse

Albert Maier, Bartholomäus Frey, Honigkönigin Katharina Gegg, Horst Arnold, Ruth Müller, Hans Seidl, Dr. Stefan Berg

Klimawandel verändert deren Lebensräume – Niederbayerischer Imker-Empfang

Seit dem erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat Bayerns Bevölkerung ein geschärftes Bewusstsein für gefährdete Lebensräume entwickelt – mit diesem Resümee hat die Landtagsabgeordnete Ruth Müller beim zweiten niederbayerischen Imker-Empfang der SPD-Landtagsfraktion insbesondere den Einsatz um diese für Natur, Umwelt und Menschen unentbehrlichen Wild- und Honigbienen hervorgehoben.

Über den guten Besuch im Altdorfer Bürgersaal freute sich Ruth Müller. Dabei hieß sie für die knapp 600 in Stadt und Landkreis Landshut ansässigen Imker namentlich den Vorsitzenden Bartholomäus Frey vom Landshuter Imker-Verein und den Kreisvorsitzenden Albert Maier willkommen. Im Verlauf dieser Veranstaltung warnte dieser auch vor eingeschleppten „asiatischen Hornissen“, die aggressiv zu einer großen Gefahr für  heimische Bienenvölker und Menschen werden könnten.

Für den gastgebenden SPD-Ortsverein sprach Marktgemeinderat Hans Seidl, der zunächst den Imkern zu ihrem Einsatz für Bienen, Natur und Umwelt dankte. An diese gewandt, erinnerte der Kommunalpolitiker daran, dass auch die Bauhöfe und alle Haus- und Hobby-Gärtner ganzjährig in der Pflicht stehen würden, mehr für eine blühende Pracht zu sorgen.

Die bayerische Honigkönigin Katharina Gegg aus Neuburg stellte in ihrem Grußwort fest: „Was der Wildbiene gut tut, davon profitiert auch die Honigbiene“. Deshalb sieht die Honigkönigin einen Erfahrungsaustausch der Experten und eine hervorragende Fortbildungsarbeit als zwingend geboten.

Kritisch äußerte sich der Landshuter Imker-Vorsitzende Bartholomäus Frey. Er hielt der Politik vor, in ihrem Bemühen um Schutz der gefährdeten Bienen zu langatmig zu sein. Wegen erkennbarer Gefährdungs-Veränderungen für Bienen muss, so der Vorsitzende, mehr Geld bereitgestellt werden, um Forschungsdefizite abbauen zu können. Und schließlich stellte er noch fest, dass angesichts des Klimawandels die Imkerei nicht mehr mit der vor 30 Jahren vergleichbar sei.

Artenschutz ausbauen

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Bayerischen Landtag, Horst Arnold, appellierte an alle einschlägigen Verbände, sich zusammenzuschließen, weil damit mehr Durchsetzungs-möglichkeiten eröffnet werden. Weiter mahnte er dazu, den nachhaltigen und sozialen Artenschutz in Bayern auszubauen. Das zuerst von CSU und FW heftig bekämpfte und dann doch erfolgreiche Volksbegehren reicht nicht aus, um alle Arten von Bienen nachhaltig zu schützen. Das vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder unterbreitete „Versöhnungs-Gesetz“ muss deshalb deutlich nachgebessert werden, forderte der Fraktionsvorsitzende, wobei er auch mehr Finanzmittel für die Forschung als notwendig erachtet.

„Der größte Erfolg des Volksbegehrens ist, dass sich die Verbraucher sowie Haus- und Gartenbesitzer auch Gedanken darüber machen, wie wir konsumieren, verbrauchen und mit unseren Ressourcen umgehen“, bekräftigte die Landtagsabgeordnete Ruth Müller. Und als „imkereipolitische Sprecherin“ der SPD-Landtagsfraktion sieht sie einen Zusammenhang  im Schutz der Honigbiene mit dem Schutz der Wildbienen und Insekten.

Nach Schilderung der Politikerin nehme die Zahl der Imker bayernweit zu. Deshalb wolle die SPD mit ihrem zweiten niederbayerischen Imker-Empfang „Niederbayern summt“ ihre Wertschätzung für die Arbeit der vielen Imker ausdrücken und den Dialog mit ihnen ausweiten. Ergänzend verwies die Abgeordnete auch auf zahlreiche Anträge und Anfragen der SPD im Bayerischen Landtag. Hierbei warb sie um einen Schulterschluss von Landwirten, Gartenbesitzern, Kommunalpolitik und Imkern, um ein hohes Niveau im Natur- und Umweltbereich zu sichern. Insbesondere warb sie auch für die Arbeit der Imker-Vereine, die Neu-Imkern mit ihrem Wissen, ihrer Technik und ihrem großen Erfahrungsschatz beim Aufbau einer Bienenzucht helfen. „Wer Bienen hält, hat auch Verantwortung für Lebewesen und muss sachgerecht arbeiten“, zeigte sich Ruth Müller überzeugt.

Forschungsarbeit erläutert

Wie umfangreich die Forschungen am „Institut für Bienenkunde und Imkerei“ in Veitshöchheim sind, machte dessen Leiter Dr. Stefan Berg in seinem Vortrag deutlich. So schilderte er beispielsweise das „Bee-Warned-Monitoring“, das bayernweit ein Frühwarnsystem für Bienenschädlinge, kleine Beutekäfer (Aethina tumida) und der „asiatischen Hornisse“ ( Vespa velutina) darstellt und die Vorgehensweise beim Auftreten der amerikanischen Faulbrut aufzeigt.

In diesem Jahr habe man sich, so der Referent, beispielsweise auch sehr intensiv mit den Bienenverlusten beim Mähen beschäftigt. „Wir haben die ausgeflogenen Bienen und die zurückgekehrten Bienen gezählt“. Und zwar an Tagen, an denen nicht gemäht wurde und an Mahd-Tagen. Zur Vertiefung des Forschungsergebnisses habe man das Mahd-Material von 20 Ein-Quadratmeter-Zellen eingesammelt und unter dem Mikroskop die Anzahl der verletzten oder getöteten Insekten gezählt. Die Zahl der Bienen, die in ihren Stock zurückgekehrt seien, habe sich an beiden Tagen nicht signifikant unterschieden.

Der Wissenschaftler riet im Hinblick auf Pyrrolidin-Alkaloide (PA) den Imkern, die Pollen daraufhin untersuchen zu lassen. Diese sogenannten „PAs“ sind eine Gruppe von pflanzlichen Sekundärstoffen, die über 660 verschiedene Strukturen umfassen und die Pflanzen vor Fress-Schäden schützen, aber atoxisch sein können.

Im Anschluss an den Vortrag, der in Kürze den Bienenfachwarten vorgestellt wird, hatten die Imker noch viele Fragen an die Politiker und den Leiter des Fachinstituts hinsichtlich der Bekämpfungs-formen der Varroa-Milbe, der Schulungsmöglichkeiten für Neu-Imker und weiteren Forschungsfeldern. „Schon der erste Naturschützer Alexander von Humboldt hat sich vor über 200 Jahren für das Leben der Bienen interessiert“, erinnerte Ruth Müller an dieses Universal-Genie. „Als SPD-Landtagsfraktion setzen wir uns nachhaltig dafür ein, dass die wissenschaftliche Arbeit in Veitshöchheim mit genügend Stellen ausgestattet ist, damit unsere Imker davon profitieren“, versprach die Politikerin.

 
 

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