Das soziale Gebrauchtwarenhaus für Stadt und Land

Soziales

Bild: v.l. MdL Ruth Müller, Sozialpädagogin Sabine Angermaier, Projektleiter Jan Ritzer, MdL Ruth Waldmann, Ortsvereinsvorsitzender Hans Seidl, Kreisrätin Filiz Cetin, Sprecherin d. Kampagnenbüros Ines Nössler, Sabine Wimmer

SPD Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann und Ruth Müller besuchten „Hab & Gut“ in Altdorf

Seit über zehn Jahren gibt es im Landkreis Landshut die Gebrauchtwarenhäuser „Hab und Gut“ mit Dependancen in Rottenburg, Vilsbiburg und Altdorf. Dort finden Menschen auf dem sogenannten zweiten Arbeitsmarkt Beschäftigung, einen strukturierten Tagesablauf und gleichzeitig die Bürgerinnen und Bürger der Region die Gelegenheit günstige Waren – vom Küchentisch bis zum Speisegeschirr – zu erwerben. Die beiden Landtagsabgeordneten Ruth Müller und Ruth Waldmann besuchten auf Einladung von „Hab und Gut“ die Altdorfer Einrichtung gemeinsam mit den beiden Markträten Sabine Wimmer und Hans Seidl sowie Kreisrätin Filiz Cetin.

Das Haupthaus der Arbeitsprojekte der Diakonie Landshut e.V., das Gebrauchtwarenhaus „Hab & Gut“ in Altdorf gibt Menschen eine neue Chance, sich im Berufsleben zurechtzufinden. „Langzeitarbeitslose bekommen bei uns eine Eingliederung, schwerbehinderte oder psychisch kranke Menschen finden eine sinnvolle Beschäftigung“, erläuterte Jan Ritzer, der Leiter der Arbeitsprojekte. Zudem seien derzeit auch acht Asylbewerber in den Einrichtungen beschäftigt, so Ritzer. 18 Personen umfasst das Stammpersonal in Altdorf, wobei 8 Personen als sogenannte Ein-Euro-Jobber begannen und im letzten Jahr rund 15 Prozent der Beschäftigten aus dem Ein-Euro-Bereich im Anschluss ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis bekommen konnten. Ein großes Problem sehe man in der Begrenzung der Förderdauer auf zwei Jahre, machte die Sprecherin des Kampagnenbüros, Ines Nössler, die Politiker aufmerksam. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen in etwa so lange dauert, wie die Arbeitslosigkeit bestanden habe“, so Nössler. Zwei Jahre seien da meist zuwenig.

Rund 250 Kunden decken sich täglich in Altdorf mit Kleidung, Schuhen und Gebrauchsgegenständen ein. Angegliedert ist auch ein Schulbedarfsladen – hier ist allerdings für den Einkauf von Stiften, Heften und Ordnern, die Neuware sind, ein Berechtigungsschein notwendig. „Ansonsten ist es uns wichtig, dass jeder hier einkaufen kann, damit die Kunden nicht stigmatisiert werden“, so Sozialpädagogin Sabine Angermaier. Dies bestätigte auch Marktgemeinderätin Sabine Wimmer: Die leidenschaftliche Theaterspielerin findet für die Aufführungen hier immer genügend Requisiten, berichtete sie beim Rundgang durch das Gebrauchtwarenhaus. Die Einnahmen der Gebrauchtwarenhäuser werden wiederum für die Beschäftigungs- und Arbeitsmöglichkeiten der Langzeitarbeitslosen, Schwerbehinderten und psychisch Kranken innerhalb der Projekte verwendet.

Die Münchner Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann, die 15 Jahre als Bezirksrätin in Oberbayern tätig war, machte deutlich, dass politisch ein „klares Bekenntnis zum 2. und 3. Arbeitsmarkt nötig sei“. Man dürfe die Augen nicht davor verschließen, dass es Menschen gebe, die auf solche Arbeitsprojekte angewiesen seien. Die Sozialwissenschaftlerin zitierte eine Studie der Universität Eichstätt, die den „S-ROI“-Faktor ermittelt habe. Das „Social-Return-of-Investment“ liege bei elf Prozent, wenn alle Maßnahmen, Kostenträger und Folgekosten eingerechnet würden, so Waldmann.

Derzeit gebe es 67.180 Langzeitarbeitslose in Bayern, erfuhren die SPD-Politiker. Die Landshuter Abgeordnete Ruth Müller sprach an, dass Sozialministerin Andrea Nahles angekündigt habe, gerade diese Personengruppe künftig besser zu fördern und zu unterstützen, um eine Rückkehr in das Berufsleben zu ermöglichen. Wichtig sei eine gute Vernetzung zwischen den Arbeitsagenturen und Jobcentern von Stadt und Landkreis Landshut, dem Bezirk Niederbayern Landshut und der Politik, damit die Förderinstrumente nicht weiter abgebaut werden und mehr Menschen eine Zukunft ermöglicht wird.

 

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